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Christian von Kaphengst bei MySpace

CD-Empfehlung :

"Mother & Brother" von Jeff Cascaro

"Dream A Little Dream" von Helen Schneider

"1980" von Torsten Goods

"The Christmas Album" von Till Brönner

Christian von Kaphengst 2009 :

Stand : 1.9.2009

september09

11.9. Till Brönners TALKIN ' JAZZ ( feat. Biréli Lagrène ) , KAH , Bonn

12.9. Mr. M's Jazzclub : Till Brönner & Band , Casino , Baden - Baden

13.9. Mr. M's Jazzclub : Gershwin Night feat. T. Goods / S. Woods / P. Werner , Casino , Baden - Baden

oktober09

18.10. "Happy Vineyard" Marc Marshall , SWR , Mainz

30.10. Till Brönners TALKIN ' JAZZ ( feat. Joachim Król ) , KAH , Bonn

november09

3. - 5.11. CD - Produktion Berlin Voices

11.11. The New York Voices , Prag

16.11. The New York Voices , Paris

17.11. The New York Voices , Paris

18.11. The New York Voices , Novi Sad

26.11. " Jazz im Stadion " mit Jeff Cascaro & Gästen , Stadion , Dortmund

dezember09

9.12. Marshall & Alexander , Ettlingen - GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT -

10.12. Marshall & Alexander , Mittelrhein-Halle , Andernach

19.12. The New York Voices , Ancona

20.12. The New York Voices , Gubbio

21.12. The New York Voices , Pordenone

23.12. The New York Voices , Bologna

2010 :

12.3. Jeff Cascaro Band , tba

Café du Sports
„Second Service"


"Tennisspielen ist, seltsamerweise, gar nicht so anders, als Jazz zu spielen", konstatierte Mike Zwerin in einem Interview mit dem amerikanischen Tennisstar und Jazzfan Don Budge. "Wenn man den Drive in der Mitte eines Sets auf der Bühne verliert, bedarf es des selben Durchhaltevermögens, Mutes und Selbstbewusstseins, die Sache im eigenen Sinne umzudrehen, wie wenn man 1-4 während eines Satzes beim Tennis zurückliegt. Es gibt bei beidem´Sets`und wie beim Jazz, ist Tennis keine Arbeit, man´spielt` es. Beides wird in der Öffentlichkeit und in ´Realzeit` gespielt. Es gibt keine zweiten Takes, keine ´Dreifachfehler`." Hobbytennisspieler Christian von Kaphengst, Bassist und Leader des Café du Sport, sieht das ähnlich. "Es gibt zig Parallelen zwischen Sport treiben und Musizieren", hat er einmal gesagt. Und dazu gleich die passenden Stichworte geliefert. "Defensive / Offensive, Einzelsportart / Mannschaftsspiel, Spannung / Entspannung, Aggressives Spiel / Schönes Spiel, Spielrhythmus." Entsprechend entspannt, schön, teamgeistig und auch mal angriffslustig schlägt das Jazzquartett Café du Sport jetzt zum zweiten Mal auf. Die dreizehn Original-Paraden von "2nd Service", spannen dabei den Bogen von Bossa Nova und Walzer über funktriefenden Blues und abgehangenen Swing bis zu einem tanzfreundlichen Remix. Mit bravourösen Soloeinlagen und einer insgesamt überragenden Mannschaftsleistung beweisen sich die preisgekrönten Sportsfreunde von Café du Sport und ihre grandiosen Gäste dabei erneut als ein verblüffend virtuoses und verdammt viriles Jazzensemble. Offensichtlich und unüberhörbar Weltklasse.

"Silverstring" ist der Einstieg zu "2nd Service". Angenehm verführt dieser von Guido Jöris geschriebene Bossa von einer wunderschön singenden Saxophonmelodie hinüber in ein nicht minder lyrisches Gitarrensolo. Gitarrist Bruno Müller gibt den Ball zurück an Frank Lauber, den Saxophonisten, und auch der legt einen brillanten Sololauf hin, bevor er wieder zu Müller passt, und die beiden die Nummer schließlich gemeinsam verwandeln. Gute Taktik, gutes Spiel. "Downhill", ein funky Blues, bietet eine herrlich schwungvolle Abfahrt mit besengespieltem Groove, einem eindringlichen Saxophon-Gitarren-Unisono-Thema und solistischen Einlagen von Müller und Lauber. Der elegante, von Christian von Kaphengst geschriebene, Jazzwalzer "Butterfly" (der übrigens weder etwas mit Herbie Hancock noch mit dem gleichnamigen Überhit der deutschen Chartgeschichte zu tun hat) präsentiert neben den üblichen Quartettverdächtigen auch Gastspieler Berthold Matschat, den von Kaphengst noch als Pianist und Arrangeur des Peter Fessler Trios kennt, an seiner wunderbar tootsigen Mundharmonika. "Berthold ist als fabelhafter Arrangeur und Pianist bekannt", erzählt von Kaphengst. "Aber als Mundharmonikaspieler kennt ihn kaum Jemand. Für ihn sind diese Aufnahmen fast so etwas wie sein Coming Out in Sachen Mundharmonika. Dabei ist er für mich einer der, wenn nicht überhaupt der beste Jazzer an diesem Instrument." Als Intermezzo folgt "Rocket Love", ein futuristisch abgehobenes, leicht an "Steely Dan" erinnerndes "Rendezvous im Weltall". Der ursprünglich komplett am Computer gebastelte Track von Frank Lauber fügte sich, endlich live gespielt, ausgezeichnet in den sportlichen Sound des Quartetts. Das Melodieninstrument, gespielt von Lauber, ist übrigens genau das komisch kindische Kistchen aus dem Hause Yamaha, dessen bunte Knöpfchen einst Trio-Boss Stefan Remmler zu drücken pflegte. "Diese Interludes sollen das Ohr reinigen. Den Hörer komplett aus dem herausholen, was er vorher gehört hat, aber durch die Kürze eben auch Offenheit für die nächste Nummer schaffen", erklärt Christian. In diesem Fall reinigt die Interlude für die mitgesungene Bassmelodie von "Erskomo", das der Leader und Autor dieses swingenden Stückes, Peter Erskine gewidmet hat. Den traf er bei einem gemeinsamen Gig mit der WDR-Bigband, woraus eine kollegiale Bekanntschaft und nicht zuletzt auch die Liner Notes für das erste Café du Sport -Album "Jazzquartett" entstanden. "Peter Erskine spielt Schlagzeug mit sehr viel Gesicht", weiß der Leader. "Und das in ganz verschiedenen Formationen, von´Weather Report`bis ´Steps Ahead`. Vielleicht könnte man sagen, dass er so etwas wie der´Pate` unserer Band ist." Bei den Bridges dieser Nummer überzeugt Frank Lauber auf einfühlsame und klangfarbige Weise neben dem Saxophon auch an Bassklarinette und Flöte. "Es ist eigentlich kein traditionelles Stück, mit Harmonien über denen eine Melodie und unter denen der Rhythmus passiert. Vielmehr verwebt sich alles," meint von Kaphengst. Bei der folgenden funky Interlude namens "Speedmaster" setzen Bass und Saxophon eine Runde aus, während Bruno Müller und Guido May ihr dramatisches Duett bestreiten. Dieses leitet wiederum "Seamaster" ein - wer sich von Alpha bis Omega auskennt, weiß sofort, was die Stunde geschlagen hat – dessen schwebende Mundharmonikamelodie nicht nur ihren Komponisten an den souveränen Segelflug eines Seeadlers erinnern dürfte. Ein erneuter Soloflug ist "Joysticks", das in Einerminutevierzig die fühlige Fingerfertigkeit des Drummers Guido May unter Beweis stellt. Von dort geht es weiter mit der grundentspannten "1st Round", deren sanfte Saxophon-Themen sich mit Unisono-Breaks von Bass und Gitarre abwechseln. Ebenfalls entspannt gibt sich dann Gitarrist Bruno Müller bei seinem solistischen "Playground". "Wenn ich auf Jazzfestivals Konzerte höre, sind es oft, weil meist der Sound auch so schlecht ist, die schönsten Momente, wenn man mal ein Instrument solo hört, ganz in Ruhe und so, wie es klingen soll", meint der Leader und erklärt damit die solistischen Zwischenspiele. "Out Of The Blue" ist ein tempomäßig variantes, extrem heißes Cool Jazz-Original von Bruno Müller, das den Soundheroen Paul Desmond und Jim Hall gewidmet ist. (Letzterer vermittelte übrigens das erwähnte Interview von Mike Zwerin mit Tennis-As Don Budge, um noch mal eben sportlich abzuschweifen.) "Die Harmonien basieren auf ´Out Of Nowhere`, das es in einer legendären Aufnahme von Paul Desmond und Jim Hall gibt", erklärt Christian von Kaphengst. "Bruno, der übrigens auch mein Tennispartner ist, hat dann diese Paraphrasen über die Harmonien geschrieben. Wir beide lieben einfach den Sound dieser Aufnahmen und egal, was wir machen und hören, auf deren´I Get A Kick Out Of You`oder´Greensleeves`(vom Album ´First Place Again`von 1959) kommen wir immer wieder zurück." Beruhigt und besänftigt, vielleicht sogar ein wenig melancholisch, kommt dann Frank Laubers wunderschöne "Coast" daher. Nach einer kurzen Verschnaufpause legt sich schließlich der "Like Eddie"-Remix noch mal so richtig ins Zeug. Frank Lauber und Joro Gogov haben dieses Stück vom ersten Café du Sport -Album bearbeitet (das sich übrigens auch in einer Live-Version auf dem Sampler "?Wir Jazz-Wunderkinder!" findet). Auf einem treibenden Drum’n’Bass-Teppich mit perkussivem Perlenbesatz des momentanen Sting-Perkussionisten Rhani Krija schweben neben den Café du Sport -Freunden auch die Streichersätze von Malina Mantcheva und Gareth Lubbe (Geige) und Linda Mantcheva (Cello). Ein achtminütiger, ekstatischer und exzessiver Ausritt in elektronische Gefilde, der vielleicht nicht wirklich etwas mit dem Sound des eigentlichen Jazzquartetts zu tun hat, ihm aber doch sehr entgegen kommt und dem Spannungsbogen des Albums so etwas wie den letzten dramatischen Kick gibt. Egal ob man die Sache mit dem Jazz nun sportlich sehen oder hören will, "2nd Service" ist zweifellos ein gewonnenes Spiel. Das legendäre As im Ärmel, meisterhaft und locker aus eben jenem geschüttelt. Vorteil Café du Sport.

Götz Bühler